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Museumsleiter Grimoni in Aktion: hier beim Besuch des Bund Junges Ostpreußen.
Museumsleiter Grimoni in Aktion: hier beim Besuch des Bund Junges Ostpreußen.

Mit einem Paukenschlag
Am 8. Januar schließt nach fast 50 Jahren das Museum Stadt Königsberg – ein Abschiedsbesuch
von Dieter Göllner

Nicht still und heimlich, sondern mit einem „Paukenschlag“ verlässt das Museum Stadt Königsberg die Metropolregion Rhein-Ruhr. Mit dem Ausstellungs-Projekt „Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen“ verabschiedet sich die renommierte Einrichtung von Duisburg. Noch bis zum 8. Januar können Besucher die wertvollen Schätze der Sammlung in Duisburg besichtigen.

Danach endet ein erfülltes und ereignisreiches Kapitel Museumsgeschichte. Alles begann 1951: Das Museum geht auf die Übernahme der Patenschaft der Stadt Duisburg für die frühere Provinzhauptstadt Ostpreußens in diesem Jahre zurück. Am 20. Oktober 1968 wurde zunächst das Haus Königsberg in der Mülheimer Straße im Beisein von Bürgermeister August Seeling eröffnet. Am 5. Dezember 1992 wurde diese Einrichtung durch das Museum Stadt Königsberg im ehemaligen Speichergebäude am Johannes-Corputius-Platz  ersetzt. Den Besuchern bot sich dort Sehenswertes und umfangreiches Wissen zu Ostpreußens Hauptstadt.

Die Dauerausstellung erinnerte an all die bemerkenswerten Ereignisse der über 700-jährigen deutschen Geschichte Königsbergs. Im Blickpunkt waren unter anderem Handel und Wirtschaft, die Universität und andere kulturelle Institutionen. Vertreten waren natürlich auch bekannte Persönlichkeiten wie Immanuel Kant, E.T.A. Hoffmann, Käthe Kollwitz oder berühmte Maler der Königsberger Kunstakademie. Weitere Sammlungsschwerpunkte galten der Musik und dem Bernstein. Aufgenommen wurde auch die russische Geschichte der Stadt nach 1945.

Blick auf die Ausstellung zur Reformation: Links im Vordergrund ein Modell des Westflügels des Königsberger Schlosses. Das Archiv des Museums verfügt über Dichternachlässe und die Prussia-Sammlung der Gesellschaft für Heimatkunde Ost- und Westpreußens. Zum Museum gehören ferner eine Bibliothek mit wertvollen Erstausgaben sowie eine Adressdatei mit Namen früherer Königsberger Bürger und ihrer Nachkommen.

Große Ausstellungen und Projekte realisiert

Die Betreuung des Museums nahm die Stadtgemeinschaft Königsberg zusammen mit der Stiftung Königsberg und der Stadt Duisburg wahr. Vor allem aber steht Lorenz Grimoni für das Museum Stadt Königsberg. Als Kind Königsberger Eltern kam er 1945 nach Westdeutschland. Nachdem er Evangelische Theologie studiert hatte, wurde er Pfarrer in Duisburg. In der Nachfolge seines Vaters Erich Grimoni leitet er das Museum ehrenamtlich seit 1987.

Der 76-jährige Pfarrer i.R. hat gemeinsam mit seinem – wie er es  nennt – „inzwischen restlos überalterten“ Team zahlreiche große Ausstellungsprojekte realisiert. Aspekte der Geschichte und Kultur der europäischen Metropole Königsberg standen dabei immer im Fokus. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge blickt er nun in Vergangenheit und Zukunft. „Arbeitslos“ wird er sicher nicht werden. Die Sammlungsbestände werden im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg eine neue Bleibe finden. Auch wenn sie dort  von fachkundigen und vor allem von jüngeren Mitarbeitern betreut werden, dürften das Wissen und der Rat des erfahrenen Museumsleiters gefragt sein.

Und was bleibt in Duisburg? Auf jeden Fall wird es weiterhin zweimal im Jahr den „Königsberger Bürgerbrief“ geben. Er informiert über Themen zur Stadtgeschichte Königsbergs, über Ereignisse und Personen vor 1945 sowie über Entwicklungen im heutigen Kaliningrad. Berichtet wird auch über die Tätigkeit der Stadtgemeinschaft Königsberg unter dem Vorsitz von Klaus Weigelt.

Lorenz Grimoni: Seit 1987 leitet er das Museum.Bis zum 8. Januar allerdings lockt noch die Ausstellung „Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen“. Bei einem seiner wohl letzten Rundgänge betonte der Museumsleiter, dass das Herzogtum im Jahr 1525 das erste evangelische Territorium der Welt war. Anhand von ausgewählten Exponaten wird die Geschichte der Reformation aufgezeigt. Als historische Schriften sind die erste Predigt des Bischofs Georg von Polentz sowie die erste preußische Chronik von Petri de Dusburg zu sehen. Den geistigen Mittelpunkt der Ausstellung bildet eine Abbildung des im Krieg zerstörten und wieder aufgebauten Königsberger Doms. Ergänzend ist der Dom zu Königsberg mit der 1924 eingerichteten Grabstätte als Modell aus dem Jahre 1968 ausgestellt.

Eine historische Bibel mit Bildern der Familie Luther ist ein weiteres herausragendes Exponat. Erwähnung findet auch das Thema der Glaubensflüchtlinge, die unter anderem aus Polen, Litauen, Holland und aus der Schweiz nach Ostpreußen kamen. „Das Herzogtum Preußen mit seiner Hauptstadt Königsberg war wichtig für die Entstehung und für die Ausbreitung der evangelischen Konfession innerhalb der christlichen Kirche“, schlussfolgerte Grimoni.

Nachlesen lässt sich das alles auch: Die 18. Ausgabe der Publikation „Orte der Reformation“ ist in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig unter dem Titel „Königsberg und das Herzogtum Preußen“ erschienen. Der von Andreas Lindner und Lorenz Grimoni herausgegebene, reich illustrierte Band vermittelt einen umfassenden Eindruck vom evangelischen Leben in Königsberg früher und heute.    

Wer die Ausstellung „Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen“ besuchen möchte: Geöffnet hat das Museum am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 10 bis 17 Uhr, am Freitag von 10 bis 14 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen: Museum Stadt Königsberg, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg, Telefon (0203) 2832151, E-Mail buero@museumkoenigsberg.de
 

Quelle:
© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / Folge 53/15, Seite 20, 02.01.2016

 

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